Ein Tag im Lockdown eines hidden shakespeare

Heute: Jannis Kaffka
Musiker bei hidden shakespeare

06:00 Kind 1 weckt mich mit den liebreizenden und widersprüchlichen Worten: „Ich will Conni hören! Ich muss Pipi!“
(„Conni“ für Unwissende: Erzkonservative Kleinkindhörspiele mit altkluger Protagonistin und Standard-Eltern mit klassischer Rollenverteilung, die immer alles richtig machen. Selbstverständlich hören wir sowas nicht.)

06:01 Ich mache Conni an und drehe mich nochmal ganz kurz um.

08:00 Langsam stehe ich mit Kind 1 auf, wechsle den Schlafanzug, die Bettwäsche und den Gesichtsausdruck.

08:05 Ich habe Kind 2 auf dem Arm, während sich Kind 1 über irgendwas aufregt. Die Worte verhallen ungehört im Nebel des Morgens. Die fantastische Frau hat eine fatale Nacht gehabt, weswegen ich versuche, den Lautstärkepegel insgesamt gering zu halten.
Trick: Essstationen mit Salzgebäck und Bio-Fruchtriegeln auf Kinderhöhe hinstellen. 

09:00 Ich checke mal, was an Auftritten so geht.

09:10 Nachdem ich aufgehört habe zu weinen, wische ich mir die Tränen mit einem Mikrofasertuch von den Wangen und nutze sie, um den Bildschirm von Fingerabdrücken zu reinigen.
Frühjahrsputz!  

09:30 Studis in Songwriting unterrichten per ZOOM.
Ich versuche seriös, erfahren, kumpelhaft, witzig, ermahnend und fachlich kompetent zu wirken.
Zwei Sachen davon klappen.

14:30 Mittagessen reinknallen, wir wollen ja noch kurz auf den Spieli. Es gibt was minimal Gesundes, damit ich abends eine Ausrede für maximal ungesunden Exzess habe.

14:37 Als moderner Mann sage ich meiner Frau (wertschätzende Kommunikation!), dass ich das ganz toll finde, dass sie jetzt alles für den Spieli vorbereitet und so, weil ich ja echt viel gearbeitet habe und so.

14:45 Ich schäle ein paar Äpfel und fülle die Wasserflasche auf.

15:00 Wir ziehen uns schnell an, um auf den Spieli zu gehen.

16:00 Meine Nerven, die Garderobe und mehrere Jacken sind kaputt. Kind 2 lacht. Kind 1 weint, weil es nicht die roten Schuhe anziehen darf, obwohl es schon die Gummistiefel anhat.
Außerdem ist der Rucksack kaputt, weil er nicht für ein Kilo Duplo, drei Fernbedienungen, Apfelstücke und Kind 2 ausgelegt war.

16:30 Wir sind auf dem Spieli.
Schaukelanschubsen ist Quantenphysik (vom Anspruch her): Nicht zu doll, nicht zu schwach, mehrmals Raketenstart und in die richtige Richtung.
Sonst wird man gemaßregelt.
Andere Eltern nicken mir verständnisvoll zu. Ich fühle mich verstanden. 

18:15 Abendbrot. Ein wichtiger Fixpunkt. Ein schöner Moment. Alle mümmeln, meine Frau und ich reden über Kacka machen (unsere Kinder) und Verhaltensauffälligkeiten (nur andere Kinder).
Wer genau hinschaut erkennt aber, dass es im Prinzip flirten ist. Echt.

19:00 Kinderinsbettbringzeit.
Gemütlich, aber gefährlich: Schläft man selber ein, ist der Abend komplett fürn Arsch!

20:00 „Musst Du noch klimpern?
Mach aber nicht so viel Krach mit deinem Trethammel!““, ruft meine Frau in ermahnendem Tonfall.
Sie meint natürlich „komponieren“ und „Hallpedal“.
Sie hat sich liebevolle Kosewörter für meine beruflichen Dinge ausgedacht. Ich vermute, die sanfte Ironie hilft ihr, meinen Hauch des Genialen besser auszuhalten.
 Kann aber auch sein, dass es ihr nur Spaß macht, mich zu ärgern. Bin unschlüssig.

22:00 Meine Frau und ich gucken endlich noch schnell diese… diese Serie… zu…rchchch….

Startseite » Ein Tag im… Jannis Kaffka

Ein Tag im… Jannis Kaffka