Ein Tag im Lockdown eines hidden shakespeare

Heute: Frank Thomé

11 Uhr – Der Wecker klingelt. Gefühlte Uhrzeit 6:15 Uhr.
Wann bin ich eingeschlafen? Ach ja, „Der Gesang der Flusskrebse“ hat mich wachgehalten …

11.15 – Frühstück mit Knäckebrot. Eine Wiederentdeckung in der Coronazeit. Am Anfang als sich alle auf Toilettenpaper stürzten, wurde nebenbei auch Brot gehortet. Und nur dieses wundervolle leichte knackige Knäckebrot war noch zu ergattern, eroberte mein Herz zurück und ist nun fester Bestandteil des Morgenrituals.
Dazu Presseschau im Internet. Und die routinemäßige Prüfung ob es auch mal eine Finanzhilfe für freiberufliche Schauspieler ohne Probenraum und technisches Equipment gibt.
Fazit der Hotline zu Beginn der Pandemie: „Stimmt. Sie haben ja nur Ihren Körper“. Mein Einwand, dass dieser aber auch ernährt werden muss und ein Dach über dem Kopf haben sollte, fand kein Gehör.
(Ich komm zurecht, keine Sorge. Leider kenne ich aber viele Kollegen, bei denen das nicht der Fall ist.)

12.15 – Nach dem dritten Kaffee bemerke ich mir gegenüber meine Freundin und grüße sie überschwänglich. Sie ist natürlich die beste von allen, wie man seit Kishon zu sagen pflegt. Als ich ein paar Tage lang online Regie für die Sprachaufnahmen zu einem Videospiel mit kriegerischem Inhalt machen konnte, freute sie sich immer so süß, wenn ich „Achtung Granate“ rief …

12.22 – Ich rufe den Kollegen Neelmeyer an und rate ihm statt Rinderbäckchen lieber Ochsenbäckchen zu schmoren.

12.45 – Facebook erinnert mich mit Foto an einen Moment vor 2 Jahren. Aufgenommen nach einer Vorstellung in Zürich. Darauf Kollegen ohne Abstand und Maske! Mit Publikum!!
Und denen hat es gefallen!!!

Scheint ewig her zu sein und war bestimmt sehr aufregend.

13:00 – Hometrainer. (Dank an Kollegin Remé.) Ich trete in die Pedalen während ich den kulinarischen Podcast „Fiete Gastro“ höre.Ich strampele und denke an Ceviche und rheinischen Sauerbraten und Lammhaxe im Roquefortmantel und Galettes Bretonnes und …

13.45 – Essensplanung mit der Freundin von Kishon, äh, nein. Meiner. Der besten von allen!

14.15 – Entscheidung gefallen: Zwiebelsuppe nach Art der legendären französischen Marktfrauen.Ich drehe und schüttele mein selbst angesetztes Ingwerbier. Ein alkoholfreier Genuss und eine neu entdeckte Leidenschaft. Es gibt auch positive Seiten.Wie auch:

14.30 – Nickern gegen Corona! Auch möglich seit dem Lockdown und bisher mit Erfolg.Vorher noch ein Schachzug gegen Kollegen Noodt (ich glaub, der cheatet) und Quizduell gegen Kollegen Kaffka und meinen Vater (die nicht).

15.10 – Gestärkt zum Einkauf mit einer Runde durch das Viertel. Der Weg führt an „Crazy Horst“ vorbei. Das „Weltberühmte“ ist geschlossen, leuchtet aber für St. Pauli. Wehmut und Erinnerungen an lange Nächte.(Mittlerweile, Gott sei Dank, wieder geöffnet.)

15.40 – Im Laden wird der Essensplan über den Haufen geworfen. Es gibt nun Piccata Milanese.

16.30 – Kurzes Telefonat mit Kollegin Sprick wegen einer Onlineveranstaltung. Sie war mit Tom Cruise im Hinterhof.

16.45 – Fensterputzen, Steuerunterlagen sortieren, Dachboden entrümpeln.

17.30 – Morgen soll es regnen, keine Ordner, Dachboden jetzt zu dunkel.

17.33 – SMS Austausch mit dem Kollegen Claussen. Wir hoffen endlich wieder auftreten zu können. Oder „spreare“, wie er es ausdrückt. Lernt wohl gerade italienisch. Streber! Aber bemerkenswert was andere im Lockdown alles schaffen.

18.00 – Essensplan wird geändert. Es gibt Spargelauflauf, dafür morgen die Piccata und übermorgen Zwiebelsuppe.

19.00 – Schnell den Kollegen Jacobs über coronabedingte Vorstellungsabsagen für die Homepage informieren. Notiz für morgen: Kollegen Job anrufen und mal zu sehen was Kollegin Freudenschuss und Kollege Grümmer so treiben.

20.30 – Der Spargelauflauf mundete hervorragend. (Dank an meine Mutter für das Rezept.) Zur Verdauung Ingwerbier und netflixen. Dort ist die Merkliste so lang, da bräuchte man 3 Jahre Lockdown … Aber dann lieber Netflix abschaffen.

1.30 – Bett. Morgen: Fensterputzen, Steuerunterlagen sortieren, Dachboden entrümpeln.

3.20 – Die Flusskrebse singen noch ……

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